Poddvorov 27 – Eine Rekultivierung mit Zukunft
Kaum ein Standort des MND verdeutlicht besser, wie eine gut durchgeführte Rekultivierung eines Geländes nach Abschluss des Bergbaus aussehen kann. Das Gelände der ehemaligen Bohrstelle Poddvorov 27 ist heute ein Beispiel dafür, wie ein Gebiet nach dem Bergbau eine neue Bestimmung erhalten und wieder aktiv genutzt werden kann – und zwar in Form eines modernen Agrovoltaik-Konzepts.
Die Bohrung Poddvorov 27 wurde 1959 niedergebracht und gehörte zu den bedeutenden Förderstandorten in der Region. „An der Bohrung wurden damals im Rahmen von Förderversuchen insgesamt fünf Lagerstättenobjekte untersucht, wobei ein industrieller Zufluss von Kohlenwasserstoffen aus zwei davon bestätigt wurde – aus dem Láb-Horizont und den Sarmatischen Sanden“, erklärt die Lagerstätteningenieurin Mariana Prochácová.
Ende 1959 wurde durch Perforation die Láb-Schicht erschlossen, aus der ein Ölfluss mit Begleitgas erreicht wurde. Die anfängliche Tagesförderung betrug etwa 20 Kubikmeter Erdöl. Die Erdölförderung aus diesem Horizont wurde 1963 eingestellt; insgesamt wurden etwa 16.000 Kubikmeter Erdöl und 1,5 Millionen Kubikmeter Erdgas gefördert.
„Nach einer Generalüberholung im Jahr 1979 wurde die Bohrung wieder in Betrieb genommen, diesmal mit dem Schwerpunkt auf der Gasförderung aus den Sarmatischen Sanden. Die tägliche Fördermenge erreichte in der Anfangsphase bis zu 25.000 Kubikmeter Erdgas und wurde mit geringfügigen Unterbrechungen bis zum Jahr 1989 fortgesetzt, als aus diesem Vorkommen insgesamt etwa fünf Millionen Kubikmeter Gas gefördert wurden“, ergänzt Prochácová.
Seit 1989 war die Bohrstelle außer Betrieb und wurde im Jahr 2020 stillgelegt.
Das zweite Leben der Bohrstelle nach der Förderung
Gerade die Zeit nach Beendigung der Förderung ist für Standorte wie Poddvorov 27 von entscheidender Bedeutung. Bevor das Gebiet jedoch einer neuen Nutzung zugeführt werden kann, muss es einer gründlichen Rekultivierung unterzogen werden, die umfangreiche bauliche Maßnahmen sowie Geländegestaltungsarbeiten umfasst.
„Die Rekultivierung des Geländes wurde im Mai 2020 begonnen. Zunächst mussten die vorhandenen Betonfahrbahnplatten entfernt werden, die entweder zur Weiterverwendung abtransportiert oder, falls beschädigt, zerlegt und auf einer Bauschuttdeponie abgelagert wurden. Anschließend erfolgte der Abriss der ursprünglichen Fundamentkonstruktionen und des Kellerbereichs der Bohrstelle“, beschreibt Martin Kraus aus der Abteilung Ingenieurwesen den Ablauf.
Zu den Arbeiten gehörte auch die Entfernung der Unterbauschichten und des ungeeigneten Bodens am Standort der Bohrung.
„Vor den abschließenden Arbeiten haben wir die Kies-Sand-Unterfüllung sowie den mit Steinen durchsetzten Boden, der sich in diesem Bereich befand, entfernt. Anschließend wurde neuer Boden auf die Fläche aufgeschüttet, mit dem das Gelände wiederhergestellt und eine für die weitere landwirtschaftliche Nutzung geeignete Schicht geschaffen wurde“, ergänzt Kraus.
Abschließend wurde das Gelände von Resten des Baumaterials gereinigt, um es für die weitere Nutzung vorzubereiten. Die Rekultivierung wurde im Juni 2020 abgeschlossen.
Das Ziel ist heute nicht mehr nur die sichere Stilllegung der Bohrung, sondern vor allem eine sinnvolle Nachnutzung des Gebiets, das das Potenzial hat, wieder genutzt zu werden – auf andere, modernere und nachhaltigere Weise.
Agrovoltaik als logische Fortsetzung
Im Fall von Poddvorov hat sich das MND entschlossen, dieses Potenzial voll auszuschöpfen und den Standort in einen Ort zu verwandeln, der Energiewirtschaft und Landwirtschaft miteinander verbindet. Die Rekultivierung bedeutet hier also keine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand, sondern im Gegenteil einen Schritt hin zu einer neuen Art der Nutzung.
Auf der Fläche nach Beendigung des Bergbaus entstand ein Pilotprojekt zur Agrovoltaik, also einer Kombination aus Stromerzeugung und landwirtschaftlicher Produktion. Die Solarmodule sind auf einer Konstruktion mehrere Meter über dem Boden installiert, was die gleichzeitige Nutzung der Fläche für den Weinbau ermöglicht.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit akademischen Einrichtungen und zielt nicht nur auf die Stromerzeugung ab, sondern auch auf die Erforschung der Auswirkungen dieser Lösung auf die landwirtschaftliche Produktion. So wird beispielsweise untersucht, wie sich eine teilweise Beschattung auf das Wachstum der Reben, ihre Widerstandsfähigkeit und die Qualität des Endprodukts auswirken kann.
Die gewählte Lösung zeigt zugleich, dass Rekultivierung nicht nur die formale Erfüllung gesetzlicher Anforderungen bedeuten muss. Sie kann ein aktiver Schritt in Richtung Innovation sein, der die industrielle Vergangenheit mit einer nachhaltigen Zukunft verbindet.
Ein Beispiel für den Wandel
Der Standort Poddvorov 27 stellt heute somit ein Vorzeigebeispiel für die Umgestaltung eines Gebiets dar – vom Öl- und Gasabbau über die Stilllegung bis hin zur modernen Nutzung in Form von erneuerbaren Energien und Landwirtschaft.
Aus Sicht des MND ist dies ein wichtiges Signal dafür, in welche Richtung ähnliche Projekte auch in Zukunft gehen können. Die Rekultivierung bildet hier nicht den Abschluss der Geschichte, sondern ein neues Kapitel.
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