"Alarm - Schutz - Arbeit". Die Arche arbeitet in Odessa

Obwohl der Krieg in der Ukraine alles verändert hat, setzt die Nationale Wissenschaftliche Bibliothek in Odessa den Schutz ihres kulturellen Erbes fort, auch mithilfe moderner Technologie, die im Rahmen des Projekts ARCHA 1 bereitgestellt wurde. Dieses Programm, das von der KKFF-Stiftung und dem Unternehmen MND unterstützt wird, spielt eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung und Restaurierung wertvoller Materialien, die für die Ukraine von unschätzbarem Wert sind.

Die Bedrohung durch unbemannte Drohnen ist Teil des Alltags geworden. Dies stellt eine schwere psychische Belastung für das gesamte Bibliotheksteam dar und bedeutet zugleich eine physische Gefahr für das historische Gebäude, das ein architektonisches Denkmal von nationaler Bedeutung ist. Unter diesen Umständen ist es nicht leicht zu arbeiten, doch gerade die berufliche Tätigkeit hilft den Mitarbeitern, widerstandsfähig zu bleiben. Die Arbeitsabläufe wurden an die extremen Bedingungen angepasst, damit die Bibliothek ihren Auftrag weiterhin erfüllen kann.

Die Bibliotheksdirektorin Iryna Biriukova beschreibt offen die Realität des Betriebs der Einrichtung in einem Umfeld ständiger Bedrohung und erklärt, welche entscheidende Rolle dabei die internationale Zusammenarbeit spielt.

Wie hilft Ihnen Archa beim Schutz der Bücher und Archivbestände?

Die Bibliothek ist für mehr als 5,5 Millionen Bestände verantwortlich – von Büchern, Zeitschriften und Manuskripten bis hin zu historischen Drucken, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Die Sammlungen umfassen Materialien in 132 Sprachen und mehr als 200.000 seltene Bücher und Manuskripte. Die ARCHA-1-Technologie ist zu einem festen Bestandteil der täglichen Arbeit geworden und hat die Fähigkeit, die Materialien nicht nur zu schützen, sondern auch systematisch zu digitalisieren und zu restaurieren, erheblich gestärkt.

Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag in einer Bibliothek aus, die trotz des Krieges weiterarbeitet?

Ein typischer Arbeitstag verläuft im Rhythmus „Alarm – Schutzraum – Arbeit“. In Kriegszeiten ist es nicht möglich, Aufgaben mit Sicherheit zu planen. Die Mitarbeiter müssen sich auf Sirenengeheul, nächtliche Bombardements, Strom- oder Heizungsausfälle einstellen. Entscheidend sind gegenseitiges Verständnis, Solidarität und die Fähigkeit, schnell auf die sich ändernde Situation zu reagieren.

Wie funktioniert die Bibliothek nach außen hin? Bieten Sie den Lesern die üblichen Dienstleistungen an?

Ja. Die Bibliothek ist weiterhin sowohl persönlich als auch online tätig und behält ihre Rolle als bedeutendes nationales Zentrum für Kultur und Wissenschaft bei. Im Jahr 2025 bediente sie etwa 41.000 Nutzer, und die Gesamtzahl der Besuche – einschließlich der Online-Zugriffe – belief sich auf rund 1,67 Millionen. Es fanden zahlreiche Bildungs- und Kulturveranstaltungen für Erwachsene und die jüngere Generation statt, was bestätigt, dass die Bibliothek auch in Kriegszeiten ein lebendiger intellektueller Raum bleibt.

Wie sieht die Sicherheitslage in Odessa aus Ihrer Sicht aus?

Die Lage bleibt angespannt. Sicherheit ist kein theoretischer Begriff, sondern eine konkrete Reihe von Maßnahmen. Bei einem Luftalarm wird die Arbeit sofort unterbrochen und alle begeben sich in den Luftschutzbunker. Die Bombardierung des Hafengebiets und der Umgebung ist eine Realität, mit der die Mitarbeiter täglich zurechtkommen müssen.

 

Was geschieht mit den Dokumenten nach der Behandlung durch die Restauratoren?

Die Archivmaterialien durchlaufen einen vollständigen Stabilisierungszyklus. Die Restauratoren neutralisieren biologische Gefahren, festigen die Papierstruktur und verpacken die Dokumente anschließend in individuelle Hüllen aus säurefreiem Karton. Dadurch entsteht ein stabiles Mikroklima, das die Dokumente vor Licht, Staub und mechanischen Beschädigungen schützt. Die Publikationen werden so aus dem Gefahrenbereich in einen Zustand langfristiger Sicherung überführt.

In welchem Zustand befinden sich die Bibliotheksbestände heute?

Glücklicherweise wurden sie nicht direkt durch Bombenangriffe beschädigt und sind relativ sicher. Es handelt sich jedoch um Sammlungen, die fast zwei Jahrhunderte alt sind, sodass ihr Zustand natürlich sehr unterschiedlich ist. Häufig stoßen wir auf brüchiges Papier oder beschädigte Einbände, was eine Folge der langjährigen Nutzung ist. Genau deshalb ist eine systematische restauratorische Pflege unerlässlich.

Wie sieht es mit der Verfügbarkeit von Materialien und Ausrüstung für Restauratoren aus?

Die Materialvorräte sind begrenzt und die Logistik sehr anspruchsvoll. Die Bibliothek benötigt vor allem säurefreien Karton, japanisches Papier, Konservierungskleber und weitere Spezialmaterialien, die derzeit in der Ukraine schwer zu beschaffen sind. Dank der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern gelingt es, einen Teil dieses Bedarfs zu decken, dennoch bleibt die Materialbeschaffung eines der Hauptprobleme.

Wie setzen Sie Archa heute konkret in der Praxis ein?

Die Station ARCHA 1 ist vollständig in die Arbeitsprozesse der Bibliothek integriert. Die Verbindung von traditioneller restauratorischer Expertise mit moderner tschechischer Technologie ermöglicht es, schneller, effizienter und mit größerer Sicherheit zu arbeiten, selbst unter extrem anspruchsvollen Bedingungen.

Wie viele Materialien konnten dank ARCHA gerettet werden?

Zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 wurden mit Hilfe von ARCHA 1 mehr als 1.000 Bücher und Zeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert aus den Sammlungen der Nationalen Wissenschaftlichen Bibliothek in Odessa bearbeitet, desinfiziert und digitalisiert.

Was möchten Sie der Tschechischen Republik mitteilen?

Wir sind unseren tschechischen Partnern zutiefst dankbar für ihre Professionalität, Solidarität und Offenheit für die Zusammenarbeit. Das Projekt ARCHA 1 ist für uns ein Symbol für die Einheit der Fachgemeinschaft und ein Beweis dafür, dass Kulturdiplomatie auch in den dunkelsten Zeiten echte Kraft und Sinn hat.

Martin Benes
Chefredakteur

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